namaskar.ch - ein privates Projekt in Indien



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Eindrücke aus der etwas anderen Welt...

Eine aufschlussreiche Erkundungsreise liegt hinter mir. Die Gefühle borden über, wenn ich auch nur an den Abschied denke.



Mein letztes Essen mit den Kindern. Sie klammern sich an mich und weinen. Ich habe hier meinen Platz gefunden. In Indien fühlte ich mich so glücklich und traurig zugleich wie nie zuvor.
Das war natürlich nicht vom ersten Tag an so. Vor allem während den ersten 2 Tagen habe ich sehr deutlich meine Andersartigkeit gespürt und damit zu kämpfen gehabt. Vor dem Hintergrund der völlig anderen Kultur wurde meine ganze Person in Frage gestellt. Obwohl ich vorher dachte ich würde mich kennen ist mir in dieser Zeit besonders bewusst geworden wie europäisch, wie weiss ich bin. Ich begriff schnell, dass all die Selbstverständlichkeiten unseres Lebens in Wirklichkeit kostbare Geschenke sind. Genauso schnell wurde mir bewusst, dass die Form, in die man von der eigenen Kultur gedrückt wird, nur schwer zu sprengen ist. Es war ein Prozess das Durcheinander in mir zuzulassen und mit Zweifeln, Aggressionen und Unsicherheiten umgehen zu lernen.



Im nachhinein empfinde ich es als sehr wichtig, sich immer wieder aufwühlen zu lassen, denn nur so können wir etwas über uns lernen, uns weiter entwickeln, unsere Sichtweise ändern und offen für anderes werden. Es war spannend zu beobachten was in mir vorging, wie ich reagierte, wie ich mich schliesslich immer mehr für diese Kultur öffnete und damit Teil von ihr wurde. Sicher, bestimmte Unterschiede und Grenzen bleiben bestehen, müssen bestehen bleiben. Ich brauchte etwas Zeit um zu verstehen, dass meine Aufgabe nicht in Leistung und Aufbau ist, sondern dass der Sinn meiner Arbeit einzig allein die Menschen, Kinder sind, dass es meine Aufgabe ist ihnen soviel Liebe und Aufmerksamkeit wie möglich zu schenken. Bis ich mich an ihre Unermüdlichkeit gewöhnt habe war das ziemlich anstrengend.

 

Eine grosse Freude prägt diese Zeit, die ich in verschiedenen Dörfern der Dalids (Kastenlose), erleben durfte. Für dieses Geschenk bin ich besonders dankbar. Überall wo wir hinkamen wurde für uns getanzt, gesungen, gebetet, das war immer aufs Neue faszinierend. Wiederfährt Ihnen Gutes wird Gott gedankt, sind sie mit Notlagen konfrontiert, was mehr vorkommt, bringen sie Ihre Bitten vor ihn. In den Menschen herrscht trotzt ihrer Armut ein grosses Vertrauen. Sie teilen und leben ihre Gefühle gemeinsam. Im Vergleich zu den Europäern wirken sie auf mich unverdorbener und natürlicher, Freude ist ein wesentlicher Teil ihrer Haltung, ist geprägt von grosser Herzlichkeit. Allein die lange und komplizierte Begrüssung in jedem noch so kleinem Dorf zeigt, wie viel Respekt, Aufmerksamkeit und Zeit man sich entgegenbringt. Nicht nur der andere Rhythmus des Lebens macht es möglich, jegliche Tätigkeit in den Hintergrund treten zu lassen um sich Besuchern ganz hinzuwenden. Bei einer solchen Behandlung wurde ich innerlich ganz klein. Und trotzdem fühlte ich mich zu Hause.

 

Ich fühlte mich unter diesen einfachen Menschen so glücklich wie selten zuvor in meinem Leben und manchmal schäme ich mich fast dafür. Jeden Tag merkte ich was es für mich zu lernen gibt, über Kulturen und über mich selbst. Was ich hier tue und tun werde hat Sinn, es erfüllt mich. So wie ich bin, so werde ich angenommen und geliebt, nichts anderes zählt. All das beim Abschied loszulassen war schwer. Je voller die Erinnerungen desto schwerer die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in stille Freude. Man trägt das Vergangene, Schöne nicht wie ein Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.

 

Zurück in der Schweiz trifft mich Oberflächlichkeit, Überfluss, Konsumwahnsinn und eine gewisse Sinnleere wie eine kalte Dusche. Unter ihr die mitgebrachte Wärme zu bewahren und auszustrahlen ist schwer. Fast habe ich das Gefühl einen erneuten Aufwühlprozess zu erleben, verbunden mit einem Kulturschock, als Fremde im eigenen Land. Ein Teil von mir ist in Indien geblieben. Eine grosse Sehnsucht diese Erfahrung zu wiederholen, sie sogar zu meinem Lebensinhalt zu machen, habe ich mitgebracht. Es sind verschiedene Projekte die ich verwirklichen zu hoffen wage. Ich nehme diese Aufgabe ernst und gehe ihr nach.

 

Ein Schlusswort: Es ist das erste Wort das ich in Indien gelernt habe und gleichzeitig das wichtigste, wenn ich an meine Zeit zurückdenke:
Nandri (Tamil), Upa Cara (Kannada) - Danke